Kevelaer, Niederrhein

Die ganze Kevelaerer Gegend wirkt mit den typischen Bauten, den Straßen- und Ortsnamen echt holländisch. Ich machte mich schlau: Kevelaer und Umgebung hat seit dem 30-jährigen Krieg eine wechselvolle holländisch/deutsche Geschichte erlebt.

 

Meine Mutter und ich gingen durch eines der hübschen Fußgängerzonen des Ortes in Richtung Basilika. Zum gemächlichen Bummeln war es uns zu kalt. Ein eisiger Wind wehte durch die Straßen. Gut, das es vom Bahnhof nicht weit zu den Kirchen ist.

 

Die Basilika St. Marien wirkt von außen sehr puritanisch. Umso größer ist der Eindruck, sobald man den Innenraum betritt. Die Ausmalungen haben mich hergelockt. Sie hielten, was sie auf Fotos versprachen. Diese alten Farben in Gold, Dunkelrot und „heiligem“ Blau – ich fand es unglaublich beeindruckend. Immer wieder nahmen wir Platz, um die Einzelheiten in uns aufzunehmen. Meine Kamera/Fähigkeiten können die wirkliche Schönheit nur begrenzt wiedergeben.

 

Wir hatten uns vorgenommen, viele Kerzen zum Wohle der Lebenden und Gedenken an die Toten aufzustellen. Wir nahmen mit Begeisterung eine Idee anderer Besucher auf: die kleinen (Tee)Lichter in Kreuzfom zu drapieren.

 

Nach unserem Besuch des Brunnenhofes und der Sakramentskapelle (alles liegt unmittelbar beieinander), gingen wir über den Platz zur Gnadenkapelle.

 

Sie ist viel kleiner als ich es mir vorgestellt hatte. Wir setzten uns auf eine schmale Bank an der Wand. Nun konnten wir uns in Muße umschauen. Die alles überstrahlende Kuppel, das wunderschöne Glasfenster und natürlich der imposante Bildstock. Er nimmt fast die gesamte Höhe der kleinen Kapelle ein.

 

Mir fiel auf, dass sich die Besucher in einen sehr schmalen Gang hinter den Bildstock zwängten. Da wollte ich auch durch, klar! Welch ein Glück, sonst hätten wir das Gnadenbild verpasst. Mir ist nicht ganz klar, warum die Hauptattraktion des Wallfahrtortes so versteckt wird. Durch Doppelglas und Lichtschranken ist das Gnadenbild eigentlich nicht zu fotografieren, ich habe es trotzdem versucht.

 

Leicht schaudernd überquerten wir den Platz und betraten die Kerzenkapelle. Jede einzelne Wallfahrts-Prozession (sie beginnen Anfang Mai) hat für ihre Kerze einen festen Platz in der Kapelle. Schon der Preußenkönig Wilhelm I. (Vater des „Alten Fritz“) ließ 1728 eine Kerze aufstellen.

 

Die nicht allzu große Kirche ist mit Kerzen, noch leeren Kerzenhaltern und vor allen Dingen Wappenschildern und –tafeln angefüllt. Der Raum macht einen sehr düsteren Eindruck, vielleicht kommt während der Prozession der gläubigen Wallfahrer eine fromme Atmosphäre auf.

 

Die „normalen“ Besucher stellen ihre Kerzen draußen vor der Kirche auf. Bei dem heutigen Wind ein nutzloses Unterfangen. Die meisten Kerzen werden, trotz Windfang, nach kurzer Zeit vom Wind gelöscht. Schade!

 

Wir „schlenderten schnellen Schrittes“ in eines der einladenden Cafés. Bei einem großen Stück holländischer Kirschtorte vergaßen wir die unfreundliche Temperatur da draußen.

 

Auf der Rückfahrt durch Wiesen und Felder sahen wir viele Fasanen-Pärchen, blühende Bäume und Sträucher. Aus dem warmen Zugabteil war der kalte Vor-Frühling schön anzuschauen.

 

Anfahrt: Köln bis Kevelaer, umsteigen in Krefeld

Besuch April 2011