Luxemburg Stadt

Luxemburg, die "geteilte" Stadt! Eine tiefe Felsenschlucht teilt den Ort. Tief unten fließt die Alzette. Unendlich viele Brücken überqueren die Schlucht, entweder sie verbinden die Oberstadt oder unten als Fußgängerbrücken die Ufer.

 

Bereits im 17. Jh. wurde das gewaltige Felsmassiv mit Gängen und Gewölben von insgesamt 23 km Länge ausgehöhlt. Sie dienten als Artilleriestellungen und erlaubten im Notfall die weiter entfernten Festungsteile unterirdisch zu erreichen. Noch heute sind 16 km dieser Anlage zu besichtigen.

 

Ich habe mich für einen anderen Schwerpunkt entschieden: den Wenzel-Weg. Eine 5 km lange Strecke, die alle bedeutenden Punkte berührt. Allerdings habe ich höchstens dreimal ein Wenzel-Weg-Schild entdeckt. Gut, dass ich mir einen Stadtplan mitgenommen habe.

 

Gleich hinter der imponierenden Brücke Pont Adolphe führt ein stufiger Pfad ins Tal. Nicht ohne hin und wieder kleine Aussichtspunkte zu streifen, von denen ein schöner Blick ins Tal und auf die Brücke möglich ist.

 

Die Flüßchen Petrusse und Alzette winden sich durch Stadt Luxemburg.  Der historische Handwerker-Stadtteil Grund ist fast eine Insel. Die schmalen Häuser sind farbenfroh renoviert. An der Ufermauer sitzen junge Leute in romantischen Garten-Lokalen.

 

Der Stadtplan und ein wenig Glück bringen mich zur kleinen Kirche St. Jean Baptiste. Wenn man denkt: Oh, Sackgasse! Nur nicht aufgeben. Auch wenn es so aussieht als ginge es in den Hinterhof – es ist der Uferweg. Hinter einer schmalen Ecke öffnet sich der Pfad wieder. Zwischen Alzette und Kirche liegt ein hübscher Rosengarten.

 

Über den Fluss erhebt sich das Jahrtausend-Denkmal Bockfelsen mit 5 Etagen Kasematten. Gewaltig und beeindruckend.

 

Eine alte Steinbrücke lässt mich die Uferseite wechseln, sie trägt den hübschen Namen Stierchen. Die Alzette sprudelt laut rauschend über ein kleines Wehr. Früher wurde hier lt. Hinweisschild Wäsche gewaschen.

 

Einige hundert Meter folge ich dem halbschattigen Waldweg, dann besinne ich mich auf mein Programm. Also zurück zum Stierchen.

 

Mein Hauptziel waren bei dieser Tour die Hängenden Gärten von Luxemburg. Terrassenförmig wurden dem Fels kleine Flächen abgetrotzt und bepflanzt. Vom Uferweg aus sah ich nur auf die alten Mauern. Als ich später die vielen Treppen hinaufstieg, offenbarte sich die ganze Schönheit des Tales. Ich hielt so oft an, zum Schauen und Fotografieren, dass ich keine Anstrengung wahrnahm.

 

Nachdem ich von der oberen Bock-Festung die Aussicht über Luxemburg genossen hatte, ging ich über die Schlossbrücke in die Oberstadt. Vor St. Michael steht ein Gedenkstein mit dem Bild Goethes. Manchmal komme ich mir vor wie der Hase aus dem Märchen – Goethe war auch hier gewesen!

 

Die wichtigste Kirche in der Stadt ist die Liebfrauenkathedrale Notre Dame. Auf dem Hochaltar steht die kleine Statue Unserer Lieben Frau, sie ist die Stadt- und Landespatronin.

 

Gegenüber des Großherzoglichen Palais befinden sich die Außenplätze etlicher Restaurants. Sie sind gut besucht. Ob die Leute hoffen, einen Angehörigen der großherzoglichen Familie herauskommen zu sehen? Der Wachsoldat, hat ein Maschinengewehr vor der Brust hängen. Das passt so gar nicht zu der scheinbar friedlichen Atmosphäre.

 

Drei Stunden bin ich nun hinunter und hinauf gestiefelt, habe besichtigt und fotografiert - jetzt möchte ich mich hinsetzen. Um den Place Guillaume, zwei Straßen entfernt, schließt ein Lokal ans andere an. Alle haben ihre beschatteten Außensitze auf dem Platz.

 

Ich gehe voller Hoffnung zu den aushängenden Speisekarten – alle nur in Französisch, oh ha. Dann endlich, eine Karte mit deutschen Untertiteln. Erleichtert nahm ich Platz. Die Kellner sprachen kein Deutsch. Aber mit Fingerzeig und Radebrechen, konnte ich mein Gericht und einen einheimischen Wein bestellen. Dieser Platz ist natürlich eine Touristenfalle. Dieses Mal war es mir egal, ich wollte einfach zum Abschluss schön und entspannend sitzen. Das nächste Mal werde ich an der Alzette in Grund einkehren.

 

Anfahrt: ein Kölner Bus-Unternehmen fährt regelmäßig für kleines Geld nach Luxemburg. Die meisten Gäste nutzen diese Tour, um Zigaretten einzukaufen.

Besuch 2010